Ginkgo: Heilwirkung des Urzeitbaumes

Dieses Baumes Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut,
gibt geheimen Sinn zu kosten, wie’s den Wissenden erbaut…“

Ginkgo Biloba, J.W.v. Goethe

Ginkgo Baum

月明 端木 / flickr.com

Bereits Goethe huldigte 1815 mit seinem Gedicht „Ginkgo Biloba“ dem geheimnisvollen Gewächs mit der ganz eigenen Blattform. Damit reiht er sich in eine lange Tradition, denn der Ginkgo Baum (biologisch Ginkgo Biloba) zieht bereits seit tausenden von Jahren Menschen durch seine Einzigartigkeit und seine heilenden Kräfte in den Bann.

Er gilt als lebendes Fossil, denn durch seine enorme Widerstandskraft überlebte die schöne Pflanzenart in Japan und China die Eiszeit und gilt als letzter Vertreter der Samenpflanzen. Bis zu 1000 Jahre alt kann der 30m hohe Baum werden und man sagt, dass es das Grün eines Ginkgo Baumes war, welches als erstes aus dem verseuchten Boden in Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe spross.

Kein Wunder also, dass eine derart wehrhafte Baumart nur so übersprießt von heilenden Wirkstoffen. Lange bevor man auf den Ginkgo in Europa überhaupt aufmerksam wurde, gehörte er zu den wichtigsten Heilpflanzen der traditionellen chinesischen und japanischen Medizin. Da sich nachweislich mit ihm die Durchblutung verbessert, die Belastungsfähigkeit erhöht und Nervenzellen vor Schäden geschützt werden, wurden europäische Pharmakonzerne aufmerksam und entwickelten Ginkgo Tabletten und andere Therapeutika zur Heilung von Demenz, Tinnitus, Herzbeschwerden und Arteriosklerose. Es lohnt sich also, diesen Baum zu entdecken.

Ginkgo Baum: Wirkungsvolles Fossil

Was macht aber nun den zu den ältesten Pflanzenarten der Erde gehörenden Ginkgo Baum so besonders? Zunächst einmal ist er, wie bereits erwähnt, ein widerstandsfähiger Baum, welcher gegen Krankheiten und Pflanzenfresser sehr resistent ist. Auch vor Bakterien, Insekten, Pilzen und anderen Schädlingen weiß der Ginkgo Baum sich ausgezeichnet zu schützen und ist diesbezüglich eine der am wenigsten anfälligen Pflanzen.

Frau vor Ginkgo Baum

mrhayata / flickr.com

Seine heilende Wirkung entfaltet er durch verschiedene Stoffe, welche vor allem in den Blättern enthalten sind. Die beiden Hauptwirkstoffe, sind dabei  Flavonoide und Terpenoide.

 

  • Flavonoide (im Ginkgo Biloba vor allem in Form von Kämpferol, Quercetin, Ginkgetin und Isorhamnetin) gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe und sind die am häufigst auftretenden aromatischen Verbindungen (Polyphenole) in Obst und Gemüse, wo sie u.a. für die rötliche Färbung von Trauben und Äpfeln verantwortlich sind.  Die Pflanze benötigt sie, um sich vor schädlichen Umwelteinflüssen wie Oxidationsprozessen zu schützen. Eben dies können die Flavonoide auch im menschlichen Körper tun. Sie schützen Nerven, Blutgefäße, den Herzmuskel und die Netzhaut des Auges vor Schäden z.B. durch oxidativen Stress. Aufgrund dieser Wirkungsweise gehören Flavonoide zu den Antioxidantien, welche die schädliche Wirkung von freien Radikalen im Körper puffern.
  • Terpenoide sind Naturstoffe, die im Ginkgo in Form von Ginkgolid und dem Bilobalid vertreten sind. Beide wurden bisher ausschließlich im Ginkgoblatt gefunden. Insbesondere Ginkgolide, tragen entscheidend zur Vorbeugung von Entzündungsprozessen bei und können so Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Nieren und des zentralen Nervensystems verhindern. Des Weiteren hilft Bilobalid bei der Regulierung des Stickstoff-Monoxid-Haushaltes. Dabei handelt es sich um einen Botenstoff, den wir bspw. zum Lernen und zur Blutdruckregulierung brauchen. Stickstoff-monoxid kann ohne eine Regulation mithilfe der Terpenoide jedoch auch übermäßig ausgeschüttet werden, wenn der Körper z.B. durch Mikroorganismen angegriffen wird. Die Folge ist dann das Entstehen von freien Radikalen, die u.a. Nervenzellen angreifen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ginkgo zum einen die Durchblutung fördert und die Blutgerinnung vermindert, was den Blutfluss verbessert, Arterien erweitert und die Verklebung von Blutplättchen hemmt. Zum anderen schützen die Wirkstoffe Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen, fangen freie Radikale ein und unterstützen die Funktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn, was die Gehirntätigkeit verbessert. All diese Wirkungsmechanismen führen zu einem breiten Einsatzgebiet der Ginkgo-Produkte bei alters- oder stressbedingtem Nachlassen der Leistungsfähigkeit des Gehirns oder bei Krankheiten, welche mit Durchblutungsstörungen in Verbindung stehen.

Ginkgo Wirkung: Dabei hilft der Urbaum

Ginkgo Biloba ist eine sehr vielseitige Heilpflanze, die im Gegensatz zu vielen anderen Naturheilmitteln sehr gut erforscht ist und von der Mehrzahl der Ärzte als Therapeutikum anerkannt wird. Wissenschaftlich fundierte Anwendungsgebiete sind z.B.

  • Demenz & Alzheimer, Gedächtnis- und Konzentrationsbeschwerden
  • Arteriosklerose und Durchblutungsstörungen
  • Tinnitus

Daneben gibt es in der Naturheilkunde noch eine weitreichendere Wirkungspalette, die lediglich noch eines wissenschaftlichen Befundes bedarf. U.a. geht man noch von folgenden Ginkgo Wirkungen aus:

  • Anti-Aging Effekt
  • Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Stressresistenz
  • Verminderung von Schlaganfallschäden
  • Vorbeugung von Sehstörungen und „müden“ Augen (bspw. bei Bildschirmarbeit)

Im Folgenden sollen einzelne, wissenschaftlich fundierte Wirkungsfelder genauer betrachtet werden.

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Ginkgo Wirkung bei Durchblutungsstörungen

Die im Ginkgo enthaltenen Terpenoide (u.a. Ginkgolide) erweitern die Blutgefäße, verdünnen das Blut und verringern die Verklumpungsneigung der Blutplättchen. Dies verbessert den Blutfluss und wirkt Durchblutungsstörungen entgegen. Die antioxidative Ginkgo Wirkung verbessert zudem die Flexibilität der Blutzellenmembran von  Leukozyten und Erythrozyten, was ebenfalls die Fließeigenschaften des Blutes verbessert.

In einer 4-wöchigen Studie wurde Probanden, welche an arteriellen Verschlusskrankheiten litten, Ginkgo verabreicht. Es zeigte sich eine Verringerung der Bereiche mit mangelnder Durchblutung um 38 %. In der mit Placebos versorgten Kontrollgruppe waren es lediglich 5%.

Behandlung von Demenz

Alte Frau im Bett

Deb Stgo / flickr.com

Bei Demenz handelt es sich um die altersbedingte Abnahme der geistigen Funktionen des Gehirns. Es kommt zu Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Energielosigkeit, Verwirrung, Müdigkeit und Schwindel. Eine der Ursachen ist das Absterben von Nervenzellen, die den wohl wichtigsten Neurotransmitter Acetylcholin (Botenstoffe, der Informationen zwischen Synapsen übermittelt) produzieren. Daneben gibt es noch Enzyme, die Acetylcholin abbauen. Ohne den Botenstoff können Informationen im Gehirn nur langsamer übermittelt werden, was in der Folge zur Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit und zur Demenz führt. Auch in der Alzheimer Forschung wurde ein Zusammenhang mit dem Neurotransmitter festgestellt.

Die Ginkgo Wirkung verhindert die Abnahme von Acetylcholin, indem es zum einen das Acetylcholin abbauende Enzym Acetylcholinesterase hemmt und zum anderen  als Antioxidans die Acetycholin produzierenden Nerven schützt. So können für eine gewisse Zeit die geistige Leistungsfähigkeit, die kognitive Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit gesteigert bzw. der weitere Abbau verhindert sowie das Zurechtkommen von Demenzpatienten im Alltag erleichtern und das Sozialverhalten verbessert werden.

Eine weitere Ursache von Demenz ist die zum Teil altersbedingte Unfähigkeit des Körpers freie Radikale abzubauen. Freie Radikale sind kurzlebige, aggressive, sauerstoffhaltige Verbindungen. Sie stören bestimmte Vorgänge in den Zellen und schädigen Substanzen, Zellmembranen und Zellkerne. Außerdem führen freie Radikale zu schädlichen Ablagerungen im Gehirn. Der Wirkstoff Flavonoid, welcher in hoher Konzentration im Ginkgo Biloba Blatt vorhanden ist, bindet als Antioxidans freie Radikale und wirkt so dem oxidativen Stress (zu viele freie Radikale) im Gehirn entgegen.

Die wohl wichtigste Eigenschaft, welche eine Ginkgo Wirkung bei Demenz überhaupt erst ermöglicht, ist die Fähigkeit des Urzeitbaumes die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Nur dadurch kann er all seine Wirkungsweisen im Gehirn überhaupt erst ausüben. Die Bluthirnschranke ist ein Filter, der zum Schutz des Gehirns vor Krankheiten entscheidet, welche Stoffe hinein gelassen werden und welche nicht. Es ist nur eine erlesene Auswahl von Naturheilmitteln (ca. 2%), die diese Pforte passieren können. Neben OPC und Astaxanthin gehört auch Ginkgo zu diesem erlauchten Kreis.

Des Weiteren bewirkt Ginkgo durch die bereits aufgeführten Wirkstoffe die Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes. was die Durchblutung gewisser Hirnareale verbessert. Auch dies beeinflusst eine Demenz positiv.

Eine Langzeitstudie des Wissenschaftlers Vallas B. aus dem Jahr 2012 beleget, dass bei Patienten mit ersten Demenz Symptomen eine rasche Besserung durch die Einnahme von Ginkgo Tabletten eintrat und bei Patienten, welche bereits an einer schweren Demenz litten konnte das weitere Voranschreiten verlangsamt werden.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) bewies zudem, dass durch eine unterstützende Behandlung mit einem Ginkgo Extrakt bei Demenzpatienten die Selbstständigkeit länger erhalten werden kann.

Laut einer 2014 publizierten französischen Studie sollen auch Patienten, welche an der Alzheimer-Krankheit leiden, von der Einnahme eines Ginkgo-Extraktes profitieren.

Die Leitlinie der World Federation of Societies of Biological Diseases bewertet Ginkgo sogar als gleichwertig effektiv wie CHE-Hemmer, welche von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft als Medikament erster Wahl bei Demenz eingestuft wurde, und beurteilte Ginkgo als weitaus verträglicher.

Einsatz gegen Konzentrationsschwäche

Da durch Ginkgo der Blutfluss und die Durchblutung gesteigert werden, wird auch die Durchblutung zum Gehirn sowie der Muskeltonus in den Blutgefäßwänden verbessert. Die Sauerstoffversorgung des Gehirns wird erhöht, die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verbessert und somit die Konzentrationsfähigkeit erhöht.

Antioxidantien, welche in Form von Flavonoiden in den Blättern des Ginkgos vorhanden sind, erhöhen ebenfalls die Sauerstoffverwertung im Körper und schützen das Gehirn vor einer Degeneration durch Durchblutungsstörung. Ginkgo steigert somit die Konzentration, verbessert das Gedächtnis und reduziert zudem die Hyperaktivität von Kindern.

Ginkgo bei Tinnitus

Ohrstatue

Colin Mutchler / flickr.com

Ein Tinnitus (Ohrgeräusch) muss nicht zwangsweise eine Erkrankung der Ohren sein, sondern kann auch durch verschiedene innere Ursachen ausgelöst werden. Eine häufige Ursache ist beispielsweise die mangelhafte Versorgung des Hörorgans und der Nervenbahnen im Gehirn mit nährstoffreichem Blut. Auch Durchblutungsstörungen und hoher Blutdruck können Ursachen eines Tinnitus sein. Wie bereits aufgeführt, wirkt Ginkgo durchblutungsanregend und fördert den Blutfluss, was die Behandlung von Tinnitus unterstützen kann.

In einer Studie mit 72 Probanden wurde gezeigt, dass sich das Hörvermögen bei 37 Patienten verbesserte und der Tinnitus reduziert wurde. Ginkgo schnitt dabei besser ab als das Vergleichspräparat Pentoxifylline.

Die richtige Anwendung

Die meisten Ginkgo Präparate sind Trockenextrakte und in Form von Tropfen, Tabletten oder Presslingen erhältlich. In diesen Produkten wurden die positiv wirkenden Stoffe angereichert und die „Ginkgo-Säure“ verringert. Dabei handelt es sich um einen schädlichen Stoff im Ginkgo Blatt, der vor einer Anwendung herausgefiltert werden muss.

Eine andere Einnahmemöglichkeit ist der Ginkgo Tee aus den Samen oder der Wurzel. Da hier die Ginkgo Säure jedoch nicht herausgefiltert wurde, ist auf die genaue Zubereitung und Einhaltung der Einnahmemenge zu achten. Allerdings stellt der Ginkgo Tee eine sehr schwache therapeutische Wirkung dar, da man 20 Tassen Tee am Tag trinken müsste, um eine ausreichend starke Wirkung zu erzielen.

Eine positive Ginkgo Wirkung ist erst nach einer Einnahme von ca. 6 Wochen zu erwarten. Bei Demenz oder Durchblutungsstörungen sollte eine Verbesserung nach 6-8 Wochen eintreten. In der Tinnitus Behandlung gilt hingegen, dass eine Einnahme mindestens 12 Wochen erfolgen muss. Tritt nach 6 Monaten jedoch noch immer keine Besserung ein, ist mit einer Ginkgo Wirkung nicht mehr zu rechnen und das Therapeutikum schlägt nicht an.

Allgemeine Einnahmeempfehlung:

  • bei Demenzsymptomen: täglich 120 bis 240 mg natives Trockenextrakt in 2 oder 3 Einzeldosen
  • Verschlusserkrankungen: täglich 120 bis 160 mg natives Trockenextrakt in 2 oder 3 Einzeldosen
  • Schwindel und Tinnitus: täglich 120 bis 160 mg natives Trockenextrakt in 2 oder 3 Einzeldosen

Beachten sollte man außerdem, dass Ginkgo Biloba ein Blutgerinnungshemmer ist. Daher sollte man es nicht einnehmen wenn man bereits blutverdünnende Medikamente einnimmt, zeitnah operiert wird oder schwanger ist. Allgemein wird angeraten, Ginkgo Tabletten nur nach Absprache mit einem Arzt einzunehmen.

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